Ein Mann Anfang vierzig setzt sich in den Sessel und sagt: „Ich sehe müde aus, obwohl ich ausgeschlafen habe“. Oder er zeigt ein Foto von vor fünf Jahren und fragt, was mit seinem Haaransatz passiert ist.
Solche Gespräche führe ich in meiner Praxis immer häufiger. Die größte Gruppe meiner Patienten sind Männer zwischen 40 und 50 Jahren. Das Ausmaß zeigt sich auch in den Statistiken — die Amerikanische Gesellschaft für Plastische Chirurgie verzeichnet seit Jahren in ihren Jahresberichten eine steigende Zahl ästhetischer Eingriffe bei Männern.
Männerhaut hat ihre eigenen Gesetze. Sie ist dicker, hat mehr Talgdrüsen und altert anders als die weibliche. Das bedeutet andere Probleme — und eine andere Herangehensweise an ihre Lösung.
Haare: ein Prozess, den man nicht aufhalten, aber verlangsamen kann
Vorzeitiger Haarverlust ist eine der größten Sorgen meiner Patienten. Es hat keinen Sinn, um den heißen Brei zu reden: Es ist ein Prozess, der sich nur sehr schwer aufhalten lässt. Es gibt jedoch Methoden, die ihn deutlich verlangsamen.
Die Grundlage ist die Diagnostik. Bei Männern haben wir es am häufigsten mit androgenetischer Alopezie zu tun — genetisch bedingt und allmählich, aber unerbittlich fortschreitend.
Die Haare werden zuerst in den sogenannten androgenabhängigen Bereichen schwächer und fallen aus: über der Stirn, dort wo die Geheimratsecken entstehen, sowie am Oberkopf.
Die Grundlage der Behandlung der androgenetischen Alopezie sind zwei Medikamente mit der am besten belegten Wirksamkeit: Minoxidil, das äußerlich auf die Kopfhaut aufgetragen wird, und Finasterid, das oral eingenommen wird. Beide wirken so lange, wie sie angewendet werden, und über den Beginn der Therapie sowie über Gegenanzeigen entscheidet der Arzt — Finasterid ist ein verschreibungspflichtiges Medikament für Männer. Die unten beschriebenen Behandlungen ergänzen eine solche Therapie, sie ersetzen sie nicht.
Plättchenreiches Plasma, das sogenannte Vampirlifting
Das ist meist die erste Methode, die ich vorschlage.
Das Material für die Behandlung stammt aus dem Blut des Patienten — wir nehmen es ab und zentrifugieren es. Dadurch besteht kein Risiko einer Reaktion auf Fremdmaterial, und die Behandlung ist auch bei empfindlichen Personen und Allergikern möglich. Wie bei jeder Injektion muss man mit Schmerzen, Schwellungen und blauen Flecken an den Einstichstellen rechnen.
Entscheidend sind die Blutplättchen. Sie sind eine natürliche Reserve an Wachstumsfaktoren, die für die Regeneration der Zellen unerlässlich sind. Das Plasma wird per Injektion direkt in die Kopfhaut eingebracht.
Der Effekt: angeregte Geweberegeneration und verstärktes Nachwachsen. Das Haar wird dichter und kräftiger, der Ausfall verlangsamt sich, das Nachwachsen beschleunigt sich.
Für optimale Ergebnisse empfehlen wir eine Serie von 3–6 Behandlungen im Abstand von 2–4 Wochen.
Peptid-Mesotherapie
Die zweite Methode ist für Männer, die ihr Haar kräftigen und verdichten und den Ausfall stoppen möchten.
Wie bei der Mesotherapie wird das Präparat direkt in die Kopfhaut eingebracht. Diesmal spritzen wir statt Blutplättchen eine Mischung aus sieben ausgewählten Peptiden und Hyaluronsäure. Das Präparat regt die Durchblutung an und nährt die Haarfollikel.
Schon die erste Behandlung bremst den Ausfall. Die weiteren regen das Nachwachsen neuer Haare an, verdichten und kräftigen sie.
Eine einzelne Behandlung dauert etwa 30 Minuten und besteht aus einer Reihe von Mikroeinstichen — weniger als bei der klassischen Mesotherapie. Eine kleine Menge konzentrierten Präparats genügt, denn dank der Technologie der verzögerten Freisetzung bleibt es noch zwei Wochen nach der Behandlung in der Haut.
Am häufigsten empfehle ich eine Serie von 4 Behandlungen im Zweiwochenabstand. Die Ergebnisse sind nach zwei Monaten sichtbar. Nach einem halben Jahr machen wir meist eine Auffrischung, und die gesamte Therapie kann nach einem Jahr wiederholt werden.
Nadel-Mesotherapie
Wenn Sie Ihr Haar kräftigen möchten, aber kein Blut abgeben wollen, bleibt ein dritter Weg: eine Serie von Nadel-Mesotherapien mit Präparaten, die für die Kopfhaut bestimmt sind.
Die Behandlungen werden in einer Serie durchgeführt, aber oft bringt schon die erste den Effekt einer Kräftigung der Haarfollikel.
Falten bei Männern: später, aber tiefer
Dickere Haut hat ihren Vorteil — Falten treten bei Männern später auf als bei Frauen.
Der Haken ist, dass sie, wenn sie erst einmal da sind, gleich tiefer und ausgeprägter sind, das Gesicht mit einem dichteren Netz überziehen und schwerer zu glätten sind. Es hilft nicht, dass die meisten Männer die Faltenprophylaxe recht sorglos angehen.
Wenn die Falten bereits sichtbar sind, reicht die häusliche Pflege nicht aus.
Nd:YAG-Laser — für alle, die keine Zeit für eine Erholungsphase haben
Der nicht-ablative Nd:YAG-Laser ist eine Behandlung für Männer mit vollem Terminkalender.
Er mildert die Zeichen der Hautalterung: Er glättet feine Fältchen und verbessert die Dichte der Haut. Das Ergebnis sind eine Straffung sowie eine bessere Dichte und Textur der Haut. Im Herbst durchgeführt, hilft die Behandlung auch, sonnenbedingte Pigmentflecken zu entfernen, und verringert die Sichtbarkeit der Poren.
Das Wichtigste aus praktischer Sicht: es ist keine Erholungszeit nötig. Sie verlassen die Praxis und gehen Ihren Beschäftigungen nach.
Botox
Eine Faltenbehandlung, die nach einem völlig anderen Prinzip wirkt — die Injektion von Botulinumtoxin.
Botox blockiert die Weiterleitung von Nervenimpulsen zu den Muskeln. Ohne Reiz hören die Muskeln auf, sich zusammenzuziehen. Der Vorgang ist umkehrbar — nach etwa 3–5 Monaten ist alles wieder im Ausgangszustand.
Das Präparat wird mit einer dünnen Nadel in die direkt unter der Haut liegenden Muskeln eingebracht. Die Behandlung ist wenig schmerzhaft, auf Wunsch des Patienten kann die Haut jedoch vorher mit einer Creme betäubt werden.
Bei Männern arbeite ich am häufigsten an den mimischen Stirnfalten, den Krähenfüßen und der Zornesfalte zwischen den Augenbrauen. Das Gesicht wirkt danach glatter und ausgeruhter.
Ein männlicheres Gesicht — das lässt sich gestalten
Worin unterscheidet sich ein männliches Gesicht von einem weiblichen? Vor allem in der Geometrie. Das männliche ist kantig, es hat scharfe Kanten. Das weibliche hat fließende, runde Wangen und ein rundes Kinn, ohne ausgeprägte Kanten.
Das ist natürlich ein Ideal und keine Regel — nicht jeder von uns passt hinein. Wenn ein Mann ein männlicheres Gesicht möchte, gibt es dafür einen Weg: die Maskulinisierung.
Bei der Gesichtsvolumetrie spritze ich Hyaluronsäure so, dass sie die Kieferlinie, die Wangen und das Kinn schärfer zeichnet.
Die Haut nach dem Urlaub
Patienten, die aus dem Urlaub zurückkehren, sind bester Laune. Ihre Haut — weniger. Sie ist manchmal fahl, matt, oft von der Sonne verbrannt.
Gut bewährt sich dann GeneO® — eine Behandlung für Gesicht, Hals und Dekolleté, die eine sofortige Verbesserung von Teint und Feuchtigkeit bringt. Pigmentflecken verschwinden, Falten werden reduziert, das Gesicht bekommt wieder ein strahlendes Aussehen.
Wie funktioniert das? Zuerst trage ich ein Gel mit reichhaltigen Pflegestoffen auf die Haut auf. Dann eine Kapsel, die bei Kontakt mit der Haut Kohlendioxid freisetzt. Auf der Haut bilden sich Bläschen, und wenn sie platzen, bewirken sie eine bessere Durchblutung. Durch den Bohr-Effekt wird in der Haut mehr Sauerstoff freigesetzt.
Die Behandlung bringt drei Dinge auf einmal:
- Abschuppung der äußeren Schicht der Oberhaut,
- bessere Aufnahme revitalisierender Substanzen (Azelain-, Koji- und Hyaluronsäure),
- natürliche Sauerstoffversorgung der Haut.
Direkt nach der Behandlung ist die Haut geglättet, gereinigt und strahlend. Der Effekt hält bis zu 3 Monate an.
Akne nach dreißig ist kein Irrtum
Männerhaut ist dicker und fester als die weibliche — dafür verantwortlich ist die androgenabhängige Kollagendichte in der Lederhaut. Sie hat außerdem mehr Talgdrüsen und eine ausgeprägtere Seborrhoe. Aber dieselbe Eigenschaft hat eine Kehrseite.
Gerade Männer leiden häufig an Akne im Erwachsenenalter — und wissen meist nicht, was sie damit tun sollen.
Manchmal ist es eine persistierende Akne: eine, die in der Jugend nicht vollständig ausgeheilt wurde und die von Zeit zu Zeit in unterschiedlicher Stärke wiederkehrt. Es kann aber ebenso gut eine ganz neue Erkrankung sein, die mit den jugendlichen Unreinheiten nichts zu tun hat. Das Ausmaß ändert sich mit dem Alter: Akne betrifft etwa 40 % der Männer vor dreißig, etwa 20 % zwischen 30 und 40 und etwa 12 % nach vierzig.
Unreinheiten, Knötchen und entzündliche Veränderungen können eine echte Frustration sein. Und Akne lässt sich behandeln — je nach Schweregrad kommen äußerliche, innerliche oder beide Therapien zugleich zum Einsatz.
Wenn sich der Hautzustand bessert, kommen ausgewählte Dermokosmetika und chemische Peelings ins Spiel. Bei zu Akne neigender, fettiger Haut mit vergrößerten Poren verwende ich ein medizinisches Peeling auf Basis von Brenztraubensäure. Es lindert die Veränderungen, verringert Mitesser und Seborrhoe und führt dabei nicht zu starker Schuppung.
Die männliche Röte, die nicht weggeht
Schwer zu verbergende Gesichtsrötung. Erweiterte Gefäße (Teleangiektasien). Im fortgeschrittenen Stadium — papulöse Veränderungen.
Das sind Symptome der Rosazea, eines häufigen Leidens bei Männern mit Couperose-Haut, die empfindlich auf äußere Faktoren reagiert und leicht gereizt wird.
Anfangs ist die Rötung oft vorübergehend. Mit der Zeit verfestigt sie sich, und das Gesicht überzieht ein immer dichteres Netz roter „Äderchen“. Je früher Sie mit der Behandlung beginnen, desto größer sind die Chancen, die Erkrankung aufzuhalten.
Bei Rosazea in der Remissionsphase und bei chronischen Rötungen der Couperose-Haut hilft ein medizinisches Peeling auf Basis von Mandel-, Salicyl- und Milchsäure sowie Retinol, in genau abgestimmten Konzentrationen. Rosazea ist jedoch keine bakterielle Infektion — das Peeling wirkt hier schuppenlösend und entzündungshemmend, nicht desinfizierend. Bei sehr reaktiver Haut kann Retinol reizend wirken, deshalb wähle ich die Konzentrationen vorsichtig und beginne mit den niedrigsten.
Wenn Ihnen an einem schnelleren Ergebnis gelegen ist, lohnt sich die Laserbehandlung von Pigmentflecken und Rötungen. Die Ergebnisse sind schon nach wenigen Tagen sichtbar, die Behandlung erfolgt jedoch meist in einer Serie von 3 Sitzungen im Abstand von etwa 4 Wochen.
Körperbehandlungen
Die Mode des gesunden Lebensstils hat dazu geführt, dass Männer den Prozess mehr schätzen als das Ergebnis allein. Sie schwitzen gern im Fitnessstudio, gesunde Ernährung sehen sie als Genuss. Abkürzungen wollen sie nicht nehmen.
Manchmal reichen Training, Ernährung und Nahrungsergänzung jedoch nicht aus — und es bleiben Stellen, an denen das Fettgewebe nicht verschwinden will.
Zur örtlichen Reduktion hartnäckiger Fettpolster setzen wir die Coolshaping-Kryolipolyse ein — eine nicht-invasive Reduktion mit kontrollierter Kälte —, die Injektionslipolyse sowie die LPG Alliance®-Endermologie und die Stoßwellentherapie, wenn es zusätzlich um die Festigkeit der Haut geht.
Laser-Haarentfernung
Wenn der Körper gepflegt ist, bleibt der letzte Schliff.
Für viele Männer ist nicht der Haarausfall, sondern die übermäßige Behaarung das größte Ärgernis. Daher die wachsende Beliebtheit der Haarentfernung an Brust, Rücken und Achseln, nicht selten auch am Gesäß und im Intimbereich.
Männer suchen wirksame Methoden mit lang anhaltendem Ergebnis — deshalb bewährt sich am besten die Haarentfernung mit dem Diodenlaser.
Der Mechanismus ist die Thermolyse: Die Laserenergie wird vom Melanin in der Haarstruktur aufgenommen und schädigt die Haarwurzel thermisch. Das Prinzip ist einfach — je dunkler das Haar, desto wirksamer die Behandlung.
Der Laser ist mit einem Sensor für den Melaningehalt der Haut ausgestattet. Auf Basis der Messung werden personalisierte Behandlungsparameter gewählt, was es erlaubt, höhere Energie einzusetzen und die Wirksamkeit zu steigern ohne Verbrennungsrisiko.
Wichtig: Während der Behandlung werden nur Haare in der Wachstumsphase (Anagen) zerstört. Deshalb muss sie wiederholt werden:
- Intimbereich, Achseln — 4–6 Wochen.
- Rücken, Waden, Oberschenkel — 8–10 Wochen.
Zwei Dinge, die man vor dem ersten Termin wissen sollte. Der Laser erkennt das Haar am Melanin, bei grauen, weißen und sehr hellen Haaren wirkt er deshalb nicht. Selten — häufiger bei Männern und häufiger am Rücken, an den Schultern und Oberarmen — tritt die gegenteilige Reaktion auf: In dem an das behandelte Areal angrenzenden Bereich beginnen die Haare dichter zu wachsen. Das ist umkehrbar und lässt sich weiterbehandeln, aber man hört besser vorher davon als hinterher.
Zum Schluss
Die Wahrheit ist, dass die meisten Behandlungen der ästhetischen Medizin und der Kosmetologie auch bei Männern durchgeführt werden. Das Angebot ist breit, und nichts darin ist einem Geschlecht vorbehalten.
Wenn ich eines raten sollte: Beginnen Sie nicht mit der Wahl einer Behandlung. Beginnen Sie mit einem Beratungsgespräch und einer Diagnose. Beim Haar ist die Grundlage einer guten Therapie die Diagnostik des Haarausfalls, bei Veränderungen im Gesicht das Erkennen, mit welcher Art von Akne wir es zu tun haben. Davon hängt ab, ob eine Behandlung überhaupt wirkt.
Das vollständige Angebot an Behandlungen für Männer — von der Pflege bis zur ästhetischen Medizin — finden Sie auf der Seite Angebot der Kliniken Dr Kuschill MEDESTETIS für Männer.
Diesen Artikel hat Dr. med. Joanna Kuschill-Dziurda verfasst — Fachärztin für Allergologie und Innere Medizin, Ärztin für ästhetische Medizin.
Quellen
- Male versus female skin: What dermatologists and cosmeticians should know — PubMed.
- The prevalence of acne in adults 20 years and older — PubMed.
- The role of platelet-rich plasma in androgenetic alopecia: A systematic review — PubMed.
- Update on the Management of Rosacea from the American Acne & Rosacea Society (AARS) — PMC.
- Botulinum Toxin Type A for Glabellar Frown Lines: What Impact of Higher Doses on Outcomes? — PMC.