Meistens bemerkt es jemand anderes. Der Partner am Strand, die Friseurin beim Haarewaschen, jemand im Schwimmbad: „hör mal, war dieser Leberfleck am Rücken schon immer so?".
Und von diesem Moment an kehrt der Gedanke zurück. War er? War er nicht? Ist er dunkler als im letzten Jahr, oder kommt es einem nur jetzt so vor?
Das ist eine gute Frage, und es lohnt sich, sie zu Ende zu stellen — beim Arzt. Denn bei Muttermalen geht es nicht darum, dass Sie selbst eine Diagnose stellen. Es geht darum, dass Sie überhaupt bemerken, dass sich etwas verändert hat.
Woher Leberflecke kommen
Leberfleck ist die umgangssprachliche Bezeichnung für ein Pigmentmal. Jeder von uns hat welche auf der Haut.
Es entsteht dort, wo sich in der Haut ein Überschuss des dunklen Farbstoffs — des Melanins — ablagert. Produziert wird es von den Pigmentzellen der Haut, den Melanozyten. Wenn das Melanin eine Ansammlung bildet, sehen wir sie durch die Haut hindurch als Leberfleck.
Allein die Tatsache, dass ein Mal existiert, bedeutet nichts Schlimmes. Erst seine Merkmale entscheiden darüber, ob der Hautarzt es als gutartig oder als verdächtig einstuft.
Angeboren und erworben — zwei verschiedene Welten
Pigmentmale unterteilen wir in angeborene und erworbene.
Angeborene bestehen von Geburt an. Die kleinen sind häufig — etwa 1–2% der Neugeborenen haben sie, und in der Regel genügt bei ihnen die Beobachtung. Selten sind große und riesige Male: einzeln, von einheitlicher Färbung und mit knotiger Oberfläche, oft mit Haaren bedeckt — und gerade sie gehören in fachärztliche Betreuung.
Erworbene sind unmittelbar nach der Geburt nicht vorhanden. Sie entwickeln sich in späteren Lebensabschnitten und können gutartig (typisch) oder atypisch (dysplastisch) sein. Und genau diese Unterteilung ist von Bedeutung.
Gutartiges Mal gegen atypisches Mal
Diese beiden Typen wirken wie Gegensätze. Die folgende Tabelle zeigt, worin sie sich unterscheiden.
- Form — regelmäßig, symmetrisch · asymmetrisch.
- Rand — gleichmäßig · unregelmäßig.
- Farbstoff — gleichmäßig verteilt · Bereiche mit unterschiedlichen Farben.
- Größe — — · größer.
- Aussehen im Zeitverlauf — stabil · verändert sich.
- Zusätzlich — — · können bluten, können über die Hautoberfläche hinausragen.
- Krebsrisiko — sehr gering · können die Grundlage für die Entstehung bösartiger Tumoren sein.
- Vorgehen — regelmäßige Beobachtung, bei Bedarf Konsultation beim Facharzt · dringender Termin beim Hautarzt.
Gutartige Male treten überwiegend im Kindesalter auf, und ihre Zahl nimmt während der Pubertät und der frühen Jugend zu — unter dem Einfluss hormoneller Veränderungen. Das ist normal.
Bei atypischen Malen sollte man noch eines wissen: ein aufgekratzter Leberfleck kann schlecht heilen. Wenn das passiert, warten Sie nicht, bis es „von selbst vergeht".
⚠️ Wann Sie den Termin nicht aufschieben sollten
Das ist der wichtigste Abschnitt dieses Textes.
Gehen Sie so schnell wie möglich zum Hautarzt, wenn der Leberfleck:
- ist asymmetrisch
- hat einen unregelmäßigen Rand
- hat mehrere Farben innerhalb eines einzigen Mals
- hat einen Durchmesser von mehr als 6 mm
- verändert sich — wächst, wird dunkler, verändert die Form
- blutet
- wurde aufgekratzt und heilt schlecht
- beunruhigt Sie aus irgendeinem anderen Grund
Der letzte Punkt ist kein Lückenfüller. Die Beunruhigung genügt als Grund. Der Termin dauert eine Viertelstunde, das Aufschieben kann Jahre dauern.
Es gibt auch einen Melanomtyp, der sich dieser Liste entzieht. Er ist mitunter symmetrisch, gleichmäßig gefärbt, mit glattem Rand und kleiner als 6 mm, und trotzdem gefährlich, weil er schnell in die Tiefe wächst. Man erkennt ihn an drei anderen Merkmalen: Er ragt über die Haut hinaus, ist hart beim Anfassen und wird innerhalb von Wochen größer, nicht von Jahren. Ein Knoten, der vor Kurzem aufgetreten ist und deutlich wächst, ist ein Grund für einen Besuch, unabhängig davon, ob er zu ABCDE passt.
ABCDE — fünf Buchstaben, die man sich merken sollte
Ein Melanom lässt sich mit bloßem Auge nicht von einem gewöhnlichen Leberfleck unterscheiden. Eine sichere Diagnose ist nur nach einer histopathologischen Untersuchung möglich — also nachdem das Gewebestück unter dem Mikroskop betrachtet wurde.
Es gibt jedoch einige Merkmale, die bei der Unterscheidung hilfreich sein können. Sie sind leicht zu merken, denn ihre englischen Bezeichnungen bilden das Akronym ABCDE:
- A — asymmetry · Asymmetrie der Form der Veränderung.
- B — border · unregelmäßiger Rand der Veränderung.
- C — color · mehrere Farben innerhalb eines einzigen Mals.
- D — diameter · Durchmesser der Veränderung über 6 mm, also etwa die Größe des Radiergummis am Ende eines Bleistifts.
- E — evolution · Entwicklung, Dynamik der Veränderung.
Wichtig ist, richtig zu verstehen, wozu ABCDE dient. Es ist kein Test, mit dem Sie selbst feststellen können, ob Sie ein Melanom haben. Es ist eine Liste, die andeutet, was Ihre Aufmerksamkeit wecken und Sie dazu bewegen sollte, einen Termin zu vereinbaren. Die Diagnose stellt der Arzt — und die endgültige Antwort gibt die histopathologische Untersuchung.
Zu ABCDE lohnt es sich, noch eine Beobachtung hinzuzufügen, die einfacher ist als alle Buchstaben zusammen: das hässliche Entlein. Die Male eines Menschen ähneln einander in der Regel — etwa derselbe Farbton, derselbe Charakter. Wenn eines deutlich aus der Reihe fällt, dann verdient genau dieses eine Begutachtung, auch wenn es für sich genommen kein einziges Kriterium der Liste erfüllt.
Wie die Untersuchung eines Leberflecks abläuft
Ohne Drama und ohne Schmerzen.
In der Praxis beurteilt der Arzt die Veränderung zunächst mit bloßem Auge. Dann greift er zum Dermatoskop — einem speziellen Gerät, das das Bild stark vergrößert und die Haut mit polarisiertem Licht beleuchtet. Dadurch sieht der Untersuchende das, was von außen nicht sichtbar ist, und kann genaue Rückschlüsse auf den Charakter der Veränderung ziehen sowie über das weitere Vorgehen entscheiden.
Danach gibt es zwei Szenarien.
Erstes Szenario: es besteht kein Grund zur Sorge. Dann empfiehlt der Arzt lediglich eine Kontrolle nach einigen Monaten, um die Veränderung zu untersuchen und zu beobachten. Die Entfernung wird aufgeschoben.
Zweites Szenario: das Mal ist potenziell gefährlich. Dann schlägt der Arzt seine Entfernung vor.
Ein Satz dazu, warum das Dermatoskop kein Gadget ist. Die Beurteilung einer Veränderung mit bloßem Auge erkennt ein Melanom in etwa sieben von zehn Fällen; kommt das Dermatoskop hinzu, steigt diese Trefferquote auf neun von zehn. Deshalb ist die Frage, ob die Veränderung im Dermatoskop angesehen wird, eine sinnvolle Frage bei der Terminvereinbarung. Bitten Sie auch um ein Foto der Veränderung — bei der Kontrolle in einigen Monaten sagt der Vergleich der Aufnahmen mehr als die Erinnerung.
Entfernung eines Leberflecks — warum Skalpell und nicht Laser
Bei Pigmentmalen gilt eine Regel, die man kennen sollte, bevor irgendjemand Ihnen ein schnelles „Wegbrennen" der Veränderung vorschlägt.
Die Entfernung erfolgt meist mit dem Skalpell, unter Einhaltung eines entsprechenden Sicherheitsabstands gesunder Haut — nach vorheriger sorgfältiger örtlicher Betäubung des Bereichs um die Veränderung. Dadurch ist der Eingriff schnell und vor allem schmerzfrei.
Aber das Wichtigste geschieht danach. Das entnommene Material gelangt zum Pathologen, der das Gewebestück unter dem Mikroskop betrachtet und die endgültige Diagnose stellt.
Genau dieser Unterschied ist entscheidend: Methoden, die das Gewebe verdampfen, hinterlassen kein Material zur Untersuchung. Die Veränderung verschwindet — und mit ihr verschwindet die Antwort auf die Frage, was sie war.
In unseren Kliniken entfernen wir Male und Pigmentveränderungen chirurgisch, mit histopathologischer Untersuchung. Wir führen auch Dermatoskopie und dermatologische Konsultationen durch, sodass sich der gesamte Weg — von der Begutachtung der Veränderung bis zum Untersuchungsergebnis — an einem Ort zurücklegen lässt.
Andere Hautveränderungen, die nicht pigmentierten, entfernen wir auch mit nichtchirurgischen Methoden: Kryochirurgie, Kürettage, Plasma und CO₂-Laser. Über die Wahl der Methode entscheidet immer der Arzt, nachdem er die Haut angesehen hat.
Ein roter Leberfleck ist meist kein Leberfleck
Es kommt vor, dass auf der Haut eine kleine rote Veränderung mit unterschiedlicher Form, leicht erhabener und gewellter Oberfläche erscheint. Sie wird manchmal roter Leberfleck genannt, obwohl sie mit einem Pigmentmal wenig gemeinsam hat.
Das ist meist ein rubinrotes Hämangiom — eine gutartige Veränderung, von der es mit dem Alter meist mehr werden. Von selbst verschwindet sie nicht, sie erfordert aber auch keine Behandlung; entfernt wird sie ausschließlich dann, wenn sie stört.
Solche Veränderungen kann man auch mit dem Laser oder mit Elektrokoagulation entfernen, also durch „Wegbrennen" der Gewebe mit Hochfrequenzstrom. Das sind Methoden, die bei Hämangiomen angewendet werden — nicht bei Pigmentmalen, die eine Exzision und eine Untersuchung erfordern.
Seltenere Arten von Malen
Neben den klassischen dunklen Pigmentmalen gibt es auch seltener anzutreffende Arten — den Spitz-Nävus, den Reed-Nävus oder den Sutton-Nävus. Ihre Erkennung ist Sache des Hautarztes.
Und wenn der Leberfleck einfach stört
Nicht jeder Grund für einen Termin muss medizinisch sein.
Leberflecke erscheinen gern an sichtbaren Stellen — im Gesicht, am Dekolleté, am Hals. Für manche Menschen ist das ein kosmetischer Makel, der das Selbstwertgefühl und die Beziehungen zu anderen Menschen tatsächlich beeinflusst. Das ist ein ausreichender Grund, darüber zu sprechen.
Die ästhetische Medizin hat hier ihre Lösungen, allen voran die Exzision der entstellenden Veränderung. Der Arzt sagt Ihnen, wie sich ein bestimmter Leberfleck am sichersten und optimalsten entfernen lässt — unter Berücksichtigung dessen, wo er sitzt und wie er aussieht.
Zum Schluss: ruhig, aber ohne Aufschub
Die überwiegende Mehrheit der Leberflecke auf Ihrer Haut sind gutartige Male, und das Risiko, dass sich auf ihnen ein Tumor entwickelt, ist sehr gering. Man sollte jedoch wissen, dass die meisten Melanome nicht auf einem bestehenden Leberfleck entstehen, sondern auf zuvor unveränderter Haut — deshalb verdient eine neue Veränderung, die vorher nicht da war, genau dieselbe Aufmerksamkeit wie ein alter Leberfleck, der sich verändert. Sie müssen sich nicht mit der Lupe im Spiegel betrachten und jeden Punkt zählen.
Aber es lohnt sich, die eigene Haut so gut zu kennen, dass Sie bemerken, wenn sich etwas an ihr verändert. Nur so viel — und immerhin so viel. Der Rest ist Sache des Arztes: Dermatoskop, Beurteilung und, falls nötig, Exzision und histopathologische Untersuchung, die eine sichere Antwort gibt.
Ist Ihnen eine Veränderung aufgefallen, die früher anders aussah? Vereinbaren Sie eine dermatologische Konsultation. Das schlimmste Szenario ist das, in dem Sie warten, bis es von selbst vergeht.
Einen beunruhigenden Leberfleck betrachtet man am besten unter dem Videodermatoskop — diese Beurteilung erhalten Sie bei uns im Rahmen der dermatologischen Konsultation. Veränderungen, die zur Entfernung vorgesehen sind, entfernen wir chirurgisch mit histopathologischer Untersuchung — das ist der einzige Weg, der diagnostische Sicherheit gibt.
Diesen Artikel hat Anna Grodecka, Ärztin, verfasst.
Quellen
- What are the ABCDEs of melanoma? — American Academy of Dermatology.
- A meta-analysis of nevus-associated melanoma: Prevalence and practical implications — PubMed.
- Cherry Hemangioma — StatPearls, NCBI Bookshelf.
- The ABCDEF Rule: Combining the „ABCDE Rule" and the „Ugly Duckling Sign" in an Effort to Improve Patient Self-Screening Examinations — PMC.
- Dermoscopy compared with naked eye examination for the diagnosis of primary melanoma: a meta-analysis of studies performed in a clinical setting — NCBI Bookshelf.