Rasieren, Wachs, Epilierer oder Laser — worin sie sich wirklich unterscheiden
Morgens unter der Dusche, in Eile, trocken. Abends vor dem Ausgehen, weil man es doch sieht. Und in drei Tagen wieder.
Wenn Ihnen dieser Rhythmus bekannt vorkommt, haben Sie wahrscheinlich schon mehrere Methoden ausprobiert. Rasierer, Creme, Wachs, Epilierer — jede verspricht etwas anderes und jede versagt an etwas anderem. Hier finden Sie einen ehrlichen Vergleich: Was bringt ein dauerhaftes Ergebnis und was kauft nur ein wenig Zeit.
Zuerst ein Wort, das alles verändert
Depilation und Epilation sind kein Tippfehler. Es sind zwei verschiedene Wirkweisen.
Die Depilation beseitigt die Folge — sie schneidet oder reißt das Haar heraus. Der Follikel selbst bleibt unberührt und beginnt praktisch sofort mit dem Wiederaufbau. Deshalb ist das Ergebnis kurz, und wie kurz, hängt von der Methode ab: ein mit dem Rasierer geschnittenes Haar sieht man schon nach wenigen Tagen, ein samt Wurzel herausgerissenes kommt nach etwa drei, vier Wochen zurück.
Die Epilation wirkt auf die Ursache. Sie schädigt den Haarfollikel samt den Gefäßen, die ihn mit Blut versorgen. Deshalb sprechen wir von einer dauerhaften Reduktion der Behaarung — es gibt deutlich weniger Haare, sie sind dünner und heller, doch ein Teil der Follikel baut sich mit der Zeit wieder auf, und nach Jahren sind einzelne Erhaltungsbehandlungen sinnvoll.
Diese Unterscheidung ist der erste Schlüssel zur Beurteilung jeder Methode. Alles Weitere folgt daraus.
Der Rasierer — am schnellsten und am kürzesten
Die beliebteste Methode der Welt, weil sie fünf Minuten dauert und nichts kostet.
Der Preis ist allerdings ein anderer: das Ergebnis hält ein paar Tage. Das Haar wird auf Hautniveau geschnitten und wächst sofort wieder nach. Dazu kommen Reizungen, Rötungen, Brennen, eingewachsene Härchen und manchmal eine Entzündung der Haarfollikel.
Es lohnt sich zu wissen, woher diese Pickelchen und das Jucken nach dem Rasieren kommen. Meist ist es keine Infektion, sondern eine Fremdkörperreaktion: Ein in spitzem Winkel geschnittenes Haar durchstößt die Haut von innen oder kehrt in den Follikel zurück. Deshalb hilft eine geänderte Technik mehr als eine neue Klinge — nicht zu kurz rasieren, den Rasierer in Wuchsrichtung führen und die Haut nicht spannen.
Enthaarungscreme — sanft, aber zeitaufwendig
Sie wirkt chemisch. Die enthaltenen Substanzen lösen das Keratin im Haar so weit auf, dass es mit einem Spatel oder einem Schwämmchen abgenommen werden kann.
Sie ist sanfter zur Haut als das Herausreißen, hat aber zwei Nachteile. Sie braucht viel Zeit, und das Präparat hat direkten Kontakt zur Haut — es kann also eine allergische Reaktion auslösen.
Epilierer und Wachs — vier Wochen Ruhe, aber ihren Preis
Diese beiden Methoden werfe ich in einen Topf, denn sie wirken ähnlich: Sie reißen das Haar samt Wurzel heraus.
Der Epilierer tut das mechanisch. Das Wachs — durch einen aufgeklebten Streifen, der samt Behaarung abgezogen wird. In beiden Fällen hält das Ergebnis etwa 4 Wochen, und die nachwachsenden Härchen sind mitunter dünner.
Und in beiden Fällen kehren dieselben Probleme wieder: Schmerz während der Behandlung, Rötung und Juckreiz danach und vor allem eingewachsene Härchen, deren Bekämpfung später wirklich lästig sein kann. Es kommt noch eine Unannehmlichkeit hinzu — damit die Behandlung gelingt, müssen die Härchen ausreichend lang sein. Man muss sie also einige Tage wachsen lassen.
Diodenlaser — die einzige Methode, die an der Wurzel wirkt
Hier betreten wir die Epilation, also die Wirkung auf die Ursache.
Der Laserstrahl wirkt auf das Melanin im Haar. Die aufgenommene Energie wird zu Wärme, die die Haarwurzel samt den anliegenden Blutgefäßen zerstört. Das Ergebnis zählt man nicht in Wochen, sondern in Jahren — mit einem Vorbehalt: Wir sprechen von einer dauerhaften Reduktion der Behaarung, nicht von einer Entfernung ein für alle Mal.
Das hat allerdings seine Bedingungen:
- Der Laser sieht Farbstoff, nicht Haar. Am besten wirkt er auf dunkles, melaninreiches Haar. Graue, farbstofflose Haare lassen sich mit dieser Technologie nicht entfernen.
- Der Laser wirkt nur auf Haare in der Wachstumsphase. Deshalb muss die Behandlung wiederholt werden. Die Anfangsserie umfasst meist 4–8 Sitzungen alle 4–6 Wochen, danach etwa einmal jährlich eine Erhaltungssitzung.
Wenn wir schon ehrlich sind, dann auch über Nebenwirkungen. Die häufigsten sind harmlos und vergehen binnen Stunden: Rötung, Brennen, Schwellung um die Follikel. Seltener treten Blasen, Krusten und vorübergehende Hyper- oder Hypopigmentierungen auf — meist dann, wenn die Haut gebräunt war. Es gibt auch das Gegenteil des Gewollten: Bei einem kleinen Prozentsatz der Behandelten kann das Haar im Bereich der Behandlung dichter werden — am häufigsten im Gesicht und am Hals bei Frauen sowie am Rücken und an den Schultern bei Männern. Wenn Sie eine solche Reaktion bemerken, sagen Sie es vor der nächsten Sitzung.
Diodenlaser und IPL sind nicht dasselbe Gerät
Diese Unterscheidung sollte man kennen, bevor man zwei Angebote über den Preis vergleicht.
Damit die Behandlung wirksam ist, muss der Strahl mehrere Bedingungen erfüllen: eine Wellenlänge im Bereich 600–1200 nm, monochromatisch (einfarbig), kohärent, parallel und ausreichend intensiv sein.
- Lichtquelle — Laser · Xenonlampe.
- Wellenlänge — 810 nm · 400–980 nm oder 560–1200 nm.
- Charakter des Strahls — Kohärent, einfarbig, parallel · Inkohärent, breites Band.
- Worauf er wirkt — Selektiv auf das Melanin des Haares · Auf Melanin und viele andere Fotoakzeptoren.
- Wirksamkeit und Dauerhaftigkeit — Hoch · Geringer.
IPL steht für Intense Pulsed Light — intensives gepulstes Licht. Der Name kann in die Irre führen, denn IPL-Geräte werden oft als „Laser“ verkauft. Der entscheidende Unterschied ist, dass der Strahl eines Diodenlasers sich nicht zerstreut und selektiv das Melanin des Haares trifft. IPL-Licht verteilt sich auf viele Fotoakzeptoren zugleich — daher die geringere Wirksamkeit und Dauerhaftigkeit des Ergebnisses.
Neben der Haarfarbe zählt auch die Hautfarbe. Der Laser erkennt Farbstoff, je geringer also der Kontrast zwischen Haar und Haut, desto schwieriger und riskanter die Aufgabe. Bei dunkler oder frisch gebräunter Haut ist ein Laser mit längerer Wellenlänge sicherer, weil er die Oberhaut weniger belastet. Daher eine praktische Regel vor einer Serie: mindestens vier Wochen ohne Sonnenbad und ohne Selbstbräuner, auch im Winter.
Einige Situationen, in denen wir die Behandlung verschieben oder gesondert besprechen: Schwangerschaft, eine aktive Infektion oder Herpes im Behandlungsbereich, frische Bräune sowie Medikamente, die lichtempfindlich machen. Sagen Sie den Termin nicht selbst ab — sagen Sie dem Arzt, was Sie einnehmen, und wir legen den Termin gemeinsam fest.
Und Heimgeräte, die als „Laser-Epilierer“ beworben werden? Das ist schon auf der Ebene des Namens ein Missverständnis. Sie nutzen IPL-Technologie, keinen Laser, und das bei sehr niedriger Energie. Die Folge ist ein angesengtes Haar und keine zerstörte Wurzel mit gestopptem Wachstum.
Welche Methode passt zu Ihnen
Es gibt keine einzige Antwort. Es gibt aber eine einfache Einteilung:
- Ein Ergebnis für heute, jetzt, vor dem Ausgehen — Der Rasierer.
- Ein paar Wochen, ohne daran zu denken — Wachs oder Epilierer.
- Deutlich weniger Haare und Ruhe für Jahre — Laser-Haarentfernung (Diodenlaser).
Wenn es Sie nicht stört, die Prozedur alle paar Tage oder jeden Monat zu wiederholen — die traditionellen Methoden reichen völlig aus.
Wenn Sie aber genug von diesem Rhythmus haben und aufhören möchten, den Urlaub um einen Enthaarungstermin herum zu planen, lohnt sich ein Gespräch über den Laser. Im Beratungsgespräch beurteilen wir Farbe und Stärke Ihrer Haare sowie Ihren Hauttyp und sagen Ihnen offen, was Sie erwarten können.
Wenn Sie prüfen möchten, ob die Laser-Haarentfernung für Sie geeignet ist — eine vollständige Beschreibung der Behandlung und eine Preisliste der Areale finden Sie hier.
Diesen Artikel hat das Team der Kliniken Dr Kuschill MEDESTETIS verfasst.
Quellen
- Unwanted hair removal by laser systems and intense pulsed light sources — Cochrane.
- Laser Hair Removal — StatPearls, NCBI Bookshelf.
- Evidence-based review of hair removal using lasers and light sources — PubMed.
- Gender Disparities in Paradoxical Hypertrichosis After Laser Hair Removal — PMC.
- Pseudofolliculitis barbae — DermNet.