Die Röte nach einem Glas Wein vergeht in einer halben Stunde. Die nach einem heißen Tee — noch schneller.
Und nun stellen Sie sich eine Röte vor, die überhaupt nicht vergeht. Morgens ist sie da, abends ist sie da, auch unter einer Schicht Make-up schimmert sie durch. Von Jahr zu Jahr deutlicher.
Unseren Großmüttern verliehen rosige Wangen Anmut und galten als Zeichen von Gesundheit. Heute wissen wir, dass eine bleibende Gesichtsröte ein Krankheitszeichen sein kann — und zwar eines, das nicht von selbst vergeht.
„So bin ich eben" — der Satz, den ich am häufigsten höre
In die Praxis kommen immer mehr Menschen, die das ständig gerötete Gesicht satthaben. Patientinnen, bei denen die Röte selbst unter einer dicken Make-up-Schicht nicht verschwindet, wissen oft nicht, dass dahinter eine Krankheit steckt — die Rosazea (acne rosacea).
Meist beginnt es genau so: „Ich habe gerötete Wangen, so bin ich eben".
Erst im Gespräch kommt die Erkenntnis. Dass diese Röte nicht aus dem Nichts kam. Dass sie immer deutlicher wird. Dass sie immer seltener verschwindet — oder gar nicht mehr. Und dass hinter alldem etwas steht: eine chronische Entzündung der Gesichtshaut.
Dieses Bewusstsein ist entscheidend. Denn eine Krankheit lässt sich behandeln — man muss nur ihre Ursache kennen und wissen, welche Therapie einzuleiten ist.
Bevor Sie es für Rosazea halten: Die Röte hat viele Gesichter
Für eine Gesichtsrötung gibt es viele Ursachen, und die meisten davon sind völlig harmlos: Emotionen, Wärme, Alkohol, bestimmte Medikamente, Mononatriumglutamat, die Wechseljahre.
Die Röte ist mitunter auch ein Zeichen für allgemeine Erkrankungen. Wenn weitere Beschwerden hinzukommen, kommen u. a. infrage:
- Systemische Mastozytose,
- Karzinoid,
- Bauchspeicheldrüsentumor.
Deshalb darf man eine Rötung nicht auf die leichte Schulter nehmen. Das ist ein Symptom, mit dem man zum Arzt geht — nicht in die Drogerie. Rosazea wird mitunter mit Acne vulgaris und mit einer Allergie verwechselt, und diese Zustände zu unterscheiden ist Aufgabe eines Dermatologen, nicht einer Suchmaschine.
Woher die Rosazea kommt
Es handelt sich wahrscheinlich um eine Krankheit mit genetischer Grundlage.
Wenn Ihre Mutter oder Großmutter schon immer eine Gesichtsröte hatte — ist das ein Signal, dass auch Sie erkranken können.
Die Veranlagung allein reicht meist nicht aus. Die Röte tritt auf, wenn zu den Genen noch etwas hinzukommt: vasomotorische Störungen, Seborrhoe, Stress, hormonelle Störungen oder die Einnahme bestimmter Steroidmedikamente.
Am Anfang ist es eine plötzliche Röte, die nach einiger Zeit verschwindet. Die Haut rötet sich im Bereich der Wangen und der Nase, es kann auch eine Röte am Körper auftreten.
Mit der Zeit verfestigt sich die Röte und die Rötung geht nicht mehr zurück. Das betrifft besonders Menschen, die schwer verdauliche Speisen essen und Alkohol nicht meiden. Die Situation verschlechtern zusätzlich: Saunabesuche, Zigarettenrauchen, Lippenherpes und endokrinologische Störungen.
Zur Liste der Ursachen kommt noch ein Element hinzu, von dem man wissen sollte: eine fehlerhafte Reaktion der angeborenen Immunabwehr der Haut. Bei Menschen mit Rosazea bildet die Haut einen Überschuss an Cathelicidin — einem Abwehrprotein — sowie an dem Enzym, das es aktiviert, wodurch schon kleine Reize eine Entzündungsreaktion auslösen. Eine Rolle spielt auch die Demodex-Milbe (Demodex folliculorum), ein winziges Spinnentier, das bei allen Menschen auf der Haut vorkommt, in der Rosazea-Haut jedoch in deutlich größerer Zahl. Das erklärt, warum Medikamente helfen, die gegen diese Milbe wirken.
Wer erkrankt
Rosazea betrifft vor allem Menschen zwischen dem 25. und 50. Lebensjahr und häufiger betrifft sie Frauen.
Eine Rötung bei Kindern hat meist nichts mit dieser Krankheit zu tun.
Vier Formen — denn Rosazea ist nicht eine einzige Krankheit
- Erythematös-teleangiektatische Form (erythematotelangiectatic rosacea) — Vorübergehende oder bleibende Röte, Brennen der Haut an der geröteten Stelle, Teleangiektasien — also „Äderchen". Mitunter schwillt das Gesicht an · Eine der beiden häufigsten Formen.
- Papulopustulöse Form (papulopustular rosacea) — Zur bleibenden Röte an Wangen und Nase kommen zeitweise Papeln und Pusteln hinzu · Zusammen mit der ersten Form die häufigste und die am leichtesten zu behandelnde.
- Form mit überwiegend hypertrophen Veränderungen (phymatous rosacea) — Verdickte Haut mit unebener Oberfläche und Knoten — besonders im Bereich der Nase. Die Veränderungen betreffen auch Kinn, Stirn und Ohren, sie können von einer Haarbalgentzündung begleitet sein · Häufiger bei Männern.
- Okuläre Form (ocular rosacea) — Wiederkehrende, schwer behandelbare Entzündungen der Bindehaut, der Hornhaut und der Lidränder. Jucken und Brennen der Augen, das Gefühl von Sand unter den Lidern, Tränenfluss und sogar Lichtscheu · Am schwersten zu erkennen — die Patienten landen nicht beim Dermatologen, sondern beim Augenarzt.
Neben den Formen unterscheidet man auch aufeinanderfolgende Schweregrade der Krankheit: von der vorübergehenden Röte über Grad I (rosacea erythematosa) und Grad II (rosacea papulopustulosa) bis zu Grad III (rosacea conglobata).
Ein Vorbehalt zu der obigen Einteilung. Seit 2017 gehen internationale Fachleute davon ab, Patienten starr einem der Subtypen zuzuordnen. Der Grund ist praktisch: Bei derselben Person mischen sich die Symptome und verändern sich mit der Zeit, und behandelt wird das konkrete Symptom — Rötung, Papeln, hypertrophe Veränderungen, Augenbeschwerden — und nicht ein Etikett. Es bedeutet auch nicht, dass jeder Patient nacheinander alle Stadien durchläuft; bei den meisten erreicht die Krankheit nie die hypertrophe Form.
Die weiteren Stadien sind immer stärker ausgeprägt. Deshalb sollte man mit der Behandlung beginnen, bevor die Krankheit weiter fortschreitet — je früher die Diagnose gestellt wird, desto größer sind die Erfolgschancen der Therapie.
Sagen wir es klar: Das ist eine chronische Krankheit
Es hat keinen Sinn, um den heißen Brei herumzureden.
Medikamente gegen Rosazea sind, unterstützt durch die richtige Pflege und passende Behandlungen, sehr wirksam. Aber eine Methode, mit der sich die Röte ein für alle Mal beseitigen lässt, ist noch nicht erfunden worden.
Rosazea neigt zu Rückfällen. Starker Stress kann sie wieder aufflammen lassen. Ein Urlaub in einem warmen Land — das Gesicht der Sonne ausgesetzt, der Körper den Cocktails mit Schirmchen — ebenfalls. Dann sind ein rasches ärztliches Eingreifen und die Rückkehr zum Behandlungsplan nötig.
Das ist eine Krankheit, die man kontrolliert, und nicht mit einem einzigen Eingriff abschließt.
Ihr wichtigstes Medikament kommt nicht aus der Apotheke
Die richtige Diagnose ist das Erste, was meine Patienten bekommen. Das Zweite sind Empfehlungen zur Änderung des Lebensstils — und ohne sie wirkt die Behandlung schlicht nicht.
Faktoren, die die Rosazea verschlimmern:
- Scharfe Gewürze — Verabschieden Sie sich von ihnen — sie gehören zu den häufigsten Auslösern der Röte.
- Alkohol in großen Mengen — Einschränken. Das ist einer der klassischen Faktoren, die die Rötung verfestigen.
- Schwer verdauliche Speisen — Meiden — sie begünstigen das Verfestigen der Röte.
- Sauna — Sauna-Fans müssen einen anderen Weg zur Entspannung finden.
- Schroffe Temperaturwechsel — Vermeiden Sie den Wechsel von der Kälte in überheizte Innenräume.
- Sonne — Grundlage der Behandlung: richtig angewendete UV-Filter, Kopfbedeckung, weniger Aufenthalt in der Sonne.
- Stress — Zu viel Stress verschärft die Röte — das ist kein „weicher" Ratschlag, sondern ein Teil der Therapie.
- Zigaretten — Rauchen verschlechtert den Krankheitsverlauf.
- Lippenherpes, endokrinologische Störungen — Müssen behandelt werden — sie verschlechtern das Hautbild.
Wenn ich einen Punkt aus dieser Liste nennen müsste, wäre es der Sonnenschutz. Ohne ihn verliert auch die am besten abgestimmte Behandlung einen Teil ihrer Wirksamkeit.
Örtliche Behandlung — auf ärztliche Verordnung, nicht aus dem Regal
Hier ein wichtiger Vorbehalt: Die Behandlung der Rosazea wählt der Arzt nach der Diagnosestellung aus. „Irgendetwas gegen rote Wangen" auf eigene Faust zu kaufen, kann teuer zu stehen kommen — starke Peelings und aufhellende Präparate können die Krankheit verschlimmern, statt sie zu beruhigen.
Zur örtlichen Behandlung gehören Cremes und Salben mit Metronidazol. Hilfreich ist mitunter eine örtliche Antibiotikatherapie sowie Präparate mit Azelainsäure. Was und wann angewendet wird, entscheidet der Arzt.
Zur örtlichen Behandlung gehört auch eine Creme mit Ivermectin — in Vergleichsstudien schneidet sie wirksamer ab als Metronidazol, besonders bei papulopustulösen Läsionen. Eine eigene Gruppe sind Präparate, die unmittelbar auf die Röte wirken: Brimonidin und Oxymetazolin verengen die Gefäße und verringern die Rötung für einige bis mehr als zehn Stunden. Sie heilen die Krankheit nicht, und bei einem Teil der Menschen kommt die Röte nach dem Absetzen stärker zurück als zuvor — deshalb entscheidet der Arzt über ihren Einsatz.
Eine eigene Sache ist die tägliche Pflege. Meinen Patienten empfehle ich:
- Gesichtsreinigung mit milden, detergenzienfreien Präparaten,
- Gesichtskosmetik mit Vitamin C, das die Blutgefäße stärkt.
Was wir in der Praxis tun können
Um die Röte im Gesicht und am Körper schneller und wirksamer zu beruhigen, greifen wir zu Behandlungen aus dem Bereich der ästhetischen Medizin. Sie ersetzen die Therapie nicht — sie ergänzen sie.
Was wir in unseren Kliniken tun:
- Peelings mit Azelainsäure — Kontrollierte, medizinische Abschuppung, die die Haut beruhigt · Die mildeste Form der Krankheit — dort erzielen sie gute Ergebnisse.
- Laserbehandlung von Pigmentflecken und Rötungen (Lichttherapie) — Licht mit einer Wellenlänge von 500–600 nm dringt in die Gefäße ein, und die Energie des Strahls wird vom Hämoglobin absorbiert — dem Farbstoff der roten Blutkörperchen. Die Temperatur steigt, und die Wärme geht von den Blutkörperchen auf die Gefäßwand über — erst deren Schädigung verschließt das Gefäß dauerhaft. Über die Sicherheit entscheidet dabei nicht nur die Wellenlänge, sondern auch die Impulsdauer, die auf den Durchmesser des Gefäßes abgestimmt wird · Reduktion der Röte und Verschluss feiner Äderchen.
- Laserverschluss von Äderchen (Nd:YAG-Laser 1064 nm) — Der Laserstrahl führt zum Verschluss des Gefäßes · Größere, sichtbare Blutgefäße. Mit demselben Handstück verschließen wir auch Äderchen an den Beinen.
- Complete — Reduktion der Röte — Ein eigenes, mehrstufiges Verfahren der Kliniken Dr Kuschill MEDESTETIS für Haut mit Gefäßerweiterungen · Menschen mit anhaltender Röte, die einen geordneten Plan brauchen und nicht eine einzelne Behandlung.
Was mit dem Gefäß eigentlich passiert
Koagulation ist eine natürliche, irreversible Reaktion der Eiweiße auf einen Temperaturanstieg.
Dadurch wird das Blutgefäß verschlossen und anschließend innerhalb von etwa 4 Wochen resorbiert — es wird aufgenommen und ist nicht mehr sichtbar.
Der Laserverschluss von Äderchen erfolgt schnell, sicher und sehr effektiv, was diesen Technologien einen deutlichen Vorsprung gegenüber älteren Methoden verschafft.
Wie lange dauert das
Laserbehandlungen erfolgen in einer Serie, deren Länge ich mit dem Patienten individuell festlege.
Die Abstände zwischen den Terminen betragen 4 Wochen. Typischerweise planen wir eine Serie von drei bis fünf Behandlungen im Abstand von vier bis sechs Wochen; bei den meisten Patienten geht die Röte dann deutlich zurück, wobei das Ausmaß der Verbesserung unterschiedlich ausfällt.
Was nach der Laserbehandlung selbst zu erwarten ist: unmittelbar danach ist die Haut gerötet und leicht geschwollen, und nach einem Farbstofflaser kann eine vorübergehende Blauverfärbung auftreten, die innerhalb von einigen bis etwa zwei Wochen abklingt. Während der gesamten Serie gilt ein konsequenter Schutz vor der Sonne — gebräunte Haut ist eine Gegenanzeige für die nächste Sitzung. Und das Wichtigste: Die Behandlungen verringern die Röte, heilen aber die Krankheit nicht, deshalb sind nach dem Ende der Serie in der Regel Termine zur Erhaltung nötig.
Zum Schluss: Das ist keine Frage der Schönheit
Wenn Sie seit Jahren hören, dass Sie einfach „so eine Haut haben", lohnt es sich, das beim Namen zu nennen.
Rosazea ist eine chronische Krankheit — mit Ursache, Verlauf, Stadien und Behandlung. Sie ist kein kosmetischer Makel und nicht Ihre Schuld. Sie verschwindet weder durch eine gute Creme noch durch ein stärkeres Peeling.
Aber die Symptome lassen sich kontrollieren. Die Röte lässt sich deutlich reduzieren und die beschwerdefreien Phasen lassen sich verlängern. Unter zwei Bedingungen: dass die Diagnose ein Arzt stellt und dass Sie aus der Liste der verschlimmernden Faktoren Ihre tägliche Gebrauchsanweisung machen.
Der erste Schritt ist, die Haut einem Dermatologen zu zeigen. Die Beurteilung dauert etwa eine Viertelstunde, und man weiß sofort, womit man es zu tun hat und was in Ihrem Fall sinnvoll ist.
Den Artikel hat Dr. med. Joanna Kuschill-Dziurda verfasst.
Quellen
- Interventions for rosacea — PubMed.
- The efficacy, safety, and tolerability of ivermectin compared with current topical treatments for the inflammatory lesions of rosacea: a network meta-analysis — PMC.
- Standard classification and pathophysiology of rosacea: The 2017 update by the National Rosacea Society Expert Committee — PubMed.
- Meta-Analysis of the Efficacy of Intense Pulsed Light and Pulsed-Dye Laser Therapy in the Management of Rosacea — PMC.
- Rosacea treatment: How to treat the redness — AAD.