Neue Trends in der ästhetischen Medizin
Vor einigen Jahren setzte sich eine Patientin in den Sessel und sagte: „Ich möchte größere Lippen“. Heute höre ich häufiger: „Ich möchte ausgeruht aussehen, aber so, dass niemand merkt, dass ich etwas habe machen lassen“.
Das ist eine der interessantesten Veränderungen, die ich in der Praxis beobachte. Und es geht nicht nur um Mode — es hat sich verändert, wofür Menschen überhaupt in die ästhetische Medizin kommen.
Das Schönheitsideal ist weiter geworden
Die Richtung geben seit Jahren die sozialen Medien vor. Eine Zeit lang zogen sie in Richtung Übertreibung. Jetzt — zum Glück — in Richtung Natürlichkeit.
Stark vergrößerte Lippen sind kein Maßstab mehr. Patientinnen bitten immer häufiger um Nährung und Feuchtigkeit für die Lippen, nicht um deren Vergrößerung. Das ist ein völlig anderes Gespräch und eine völlig andere Behandlung.
Das freut mich doppelt. Denn das Schönheitsideal wird weiter und zugleich offener für das, was eine Patientin von Natur aus mitbringt.
Dünnere Nadel, weniger blaue Flecken
Auch die Technik selbst hat sich verändert.
Ich arbeite immer häufiger mit Kanülen statt mit der Nadel. Eine Kanüle hat ein stumpfes Ende — sie schiebt das Gewebe auseinander, statt es zu durchtrennen. In der Praxis bedeutet das ein geringeres Risiko für blaue Flecken und Schwellungen nach der Behandlung.
Für die Patientin ist der Unterschied sehr konkret: eine geringere Wahrscheinlichkeit, sich nach dem Termin eine Woche lang verstecken zu müssen.
„Ich möchte ein Ergebnis, habe aber keine Woche zum Liegen“
Diesen Satz höre ich häufiger als jeden anderen.
Für viele Menschen ist die Pflege des Aussehens Teil der täglichen Hygiene geworden — genauso wie Sport oder Schlaf. Und wenn es Teil des Alltags ist, darf es nicht aus ihm ausschließen.
Wer kann sich heute eine oder zwei Wochen zu Hause leisten? Oder den Weg zur Arbeit, während im Gesicht noch Spuren der Behandlung zu sehen sind?
Deshalb liegt der größte Wert moderner Technologien nicht nur im besseren Ergebnis. Er liegt in der Zeit — genauer gesagt in ihrem Fehlen: wirksame Behandlungen, die keine lange Erholungszeit erfordern.
Dazu gehören unter anderem nicht-ablative Laserbehandlungen, Thermolifting oder sogenannte Lunchtime-Behandlungen, nach denen man aus der Praxis direkt zu einem Treffen geht.
Figur: immer weniger Interesse an Abkürzungen
Meine Patientinnen sind überwiegend Frauen, die wirklich auf ihre Gesundheit achten. Sie treiben Sport, ernähren sich bewusst und tun das mit Freude, nicht aus Pflichtgefühl.
Das zeigt sich in ihren Entscheidungen. Immer weniger Menschen suchen die Abkürzung in Form einer Fettabsaugung. Stattdessen trainieren sie, bewegen sich viel und stellen ihre Mahlzeiten klug zusammen. Eine schlanke Figur ist dabei nur ein Bonus — Ausgangspunkt ist, dass der Körper gesund, belastbar und straff ist.
Das Problem ist: Auch die sportlichsten Patientinnen leiden unter Cellulite und einem Verlust der Hautfestigkeit. Das ist keine Frage der Faulheit. Studien zeigen, dass bis zu 90 % der Frauen über 25 Jahre Cellulite haben.
Die Grundlage ist immer die Ernährung: weniger verarbeitete Lebensmittel, Salz und Zucker, mehr Gemüse und Wasser. Diese Umstellung ist gut und gesund — sie bringt aber keine sofortigen Ergebnisse.
Wenn die Orangenhaut weiterhin stört, kommen Behandlungen ins Spiel. Die beliebteste bleibt die Endermologie — eine mechanische Massage mit einem speziellen Kopf, der das Gewebe gleichzeitig massiert und ansaugt.
Die Verbindung elektronisch gesteuerter Rollen mit Vakuum erlaubt es, auf alle Hautschichten gleichzeitig zu wirken. Lymph- und Blutkreislauf verbessern sich, die Lipolyse, also die Freisetzung von Fett, wird in Gang gesetzt, und Wassereinlagerungen gehen zurück. Die angeregten Zellen beginnen, überschüssiges Fett aus dem Gewebe abzutransportieren — das Gewebe wird weicher und die Cellulite glättet sich.
Botox mit Maß — der Trend, der mich am meisten freut
Natürlichkeit und Zurückhaltung sind selbst dort zum Schlüssel geworden, wo früher das maximale Ergebnis zählte — beim Botulinumtoxin.
Botulinumtoxin hat eine unerschütterliche Stellung. Aber ich setze es maßvoll ein — zumal die Patientinnen, die in die Klinik kommen, immer jünger werden.
Und das ist eine wichtige Veränderung. Eine jüngere Patientin braucht geringere Dosen. Sie dreht die Zeit nicht zurück, sondern verlangsamt ihren Lauf oder wirkt vorbeugend. Das Ergebnis ist dann ungleich natürlicher.
Damit einher geht eine weitere Überzeugung, die Patientinnen immer häufiger schon mitbringen: regelmäßige, kleine Behandlungen bringen ein besseres Ergebnis als eine einmalige radikale Verwandlung.
Keine der Frauen, die in meine Praxis kommen, möchte „gemacht“ aussehen. Sie erwarten etwas anderes — den Effekt ausgeruhter, strahlender Haut. So wie nach einem großartigen Urlaub oder nach ein paar sehr gelungenen Verabredungen.
Und das ist wohl die beste Richtung, die dieses Fachgebiet einschlagen konnte.
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Diesen Artikel hat Dr. med. Joanna Kuschill-Dziurda verfasst — Fachärztin für Allergologie und Innere Medizin, Ärztin für ästhetische Medizin.